Ich fange mal ganz grundsätzlich an.
Was sind WEBROMANE
Webromane sind literarische Werke, die hauptsächlich oder ausschließlich online veröffentlicht werden. Sie bieten Autor:innen die Möglichkeit, ihre Geschichten direkt mit einem Publikum zu teilen, oft in serialisierter Form, also Kapitel für Kapitel. Unter einem Serial versteht man eine besondere Form einer Buchreihe. Es handelt sich dabei um serialisierte Episoden einer Geschichte, die in regelmäßigen Abständen – meist monatlich – erscheinen.
Stelle sie dir als eine Art Fernsehserie in Buchform vorstellen. Jede Episode hat dabei im Schnitt zwischen 15.000 bis 30.000 Wörter und ist grundsätzlich in sich abgeschlossen. Diese Veröffentlichungsweise ermöglicht es den Lesern, die Geschichte in Echtzeit zu verfolgen und sogar mit den Autoren zu interagieren.
Wo findet der Leser die Webromane?
Hierzu gibt es einige Plattformen im Netz. Ein paar bekannte davon sind:
- Wattpad: Eine der größten Plattformen für Web-Fiction, die eine Vielzahl von Genres abdeckt.
- Royal Road: Besonders beliebt für Fantasy- und Sci-Fi-Geschichten.
- Webnovel: Eine Plattform, die sich auf englischsprachige Webromane spezialisiert hat.
Beispiele für bekannte Webromane sind:
- The Wandering Inn: Eine Fantasy-Geschichte, die auf Plattformen wie Royal Road veröffentlicht wurde.
- Overlord: Ursprünglich ein japanischer Webroman, der später als Light Novel und Anime adaptiert wurde.
Wie unterscheiden sich Webromane von traditionellen Romanen?
Webromane und traditionelle Romane haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich jedoch in einigen wesentlichen Punkten:
1. Veröffentlichungsweise:
- Webromane: Werden oft kapitelweise online veröffentlicht, entweder auf speziellen Plattformen (z. B. Wattpad, Royal Road) oder auf den Websites der Autoren. Leser können die Geschichte in Echtzeit verfolgen.
- Traditionelle Romane: Werden meist vollständig in Buchform veröffentlicht, entweder gedruckt oder als E-Book, nachdem der Text abgeschlossen ist.
2. Interaktivität:
- Webromane: Lesende können häufig direktes Feedback geben, indem sie Kommentare hinterlassen oder Kapitel bewerten. Autor:innen können darauf reagieren und ihre Geschichten entsprechend anpassen.
- Traditionelle Romane: Interaktion mit dem Publikum ist normalerweise erst nach der Veröffentlichung möglich, z. B. durch Rezensionen.
3. Flexibilität im Schreibprozess:
- Webromane: Autor:innen können ihren Schreibstil oder Handlungsverlauf während des Publizierens ändern, basierend auf den Reaktionen der Leser.
- Traditionelle Romane: Der Schreib- und Bearbeitungsprozess ist meistens abgeschlossen, bevor das Buch veröffentlicht wird.
4. Zugänglichkeit und Kosten:
- Webromane: Meistens kostenlos oder für einen kleinen Beitrag verfügbar, wodurch sie einem breiten Publikum zugänglich sind. Hier kann man auf verschiedenen Patreon und oder Mitgliedschaften abschließen.
- Traditionelle Romane: Werden oft durch Verlage und/oder im Selfpublishing vertrieben und kosten entsprechend mehr.
5. Format und Länge:
- Webromane: Können experimentell in Form und Länge sein, oft mit kürzeren Kapiteln, da sie an das digitale Lesen angepasst sind.
- Traditionelle Romane: Haben eine festere Struktur, da sie für den Druck optimiert sind.
Schreibst du eher, Geschichten kapitelweise, oder ziehst du lieber abgeschlossene Werke vor? 😊
Welche Gemeinsamkeiten haben Webromane und traditionelle Romane?
Web- und traditionelle Romane teilen viele grundlegende Eigenschaften, da beide zur Literatur zählen. Hier mal einige ihrer Gemeinsamkeiten:
1. Erzählkunst:
Beide setzen auf die Kunst des Geschichtenerzählens, um Leser zu fesseln. Sie beinhalten oft ähnliche literarische Elemente wie Handlung, Charaktere, Dialoge, Konflikte und Themen.
2. Genrevielfalt:
Sowohl Web- als auch traditionelle Romane decken eine breite Palette von Genres ab, darunter Fantasy, Sci-Fi, Liebesromane, Thriller und viele andere. Die kreative Vielfalt ist nahezu grenzenlos.
Ein wichtiger Bestandteil sind heute ebenfalls New-Adults oder New Romance Serien.
3. Emotionale Wirkung:
Beide Arten von Romanen können starke emotionale Reaktionen hervorrufen, sei es Freude, Spannung, Trauer oder Inspiration. Die Leser sollen in die Welt der Geschichte eintauchen.
4. Individuelle Erzählstile:
Sowohl bei Web- als auch bei traditionellen Romanen hängt die Qualität der Geschichte stark vom individuellen Stil und Können des Autors ab.
5. Zielgruppe:
Beide wenden sich an Leser, die auf der Suche nach Unterhaltung, Inspiration oder einer Flucht aus dem Alltag sind.
Oft zählt bei Webromanen die Interaktion zwischen Lesenden und Autor.innen, sich dadurch bereits ein gewisses Publikum und eine treue Leserschaft sichern.
6. Potenzial für Adaptionen:
Egal ob Web- oder traditionelle Romane: Beide können als Grundlage für Filme, Serien, Hörbücher oder andere Medienformen dienen.
Diese Gemeinsamkeiten unterstreichen, dass das Medium unterschiedlich sein mag, das Herzstück – das Erzählen von Geschichten – jedoch gleich bleibt. Gibt es einen bestimmten Aspekt, über den du mehr erfahren möchtest? 😊
Fazit:
Ihr habt sicher gemerkt, es gibt kein richtiges Urteil für oder gegen Webromane, genauso wenig für Romane wie sie noch geschrieben werden.
Vermutlich ist der Anteil von klassischen Romanen um ein vielfaches höher, da die Gewinne und Margen einfach größer sind und am Ende auch Webromane heute als Gesamtprojekt, es auch im Ganzen geben wird.
Ich persönlich neige zum Webroman, denn gerade das Feedback und mögliche Einflüsse von Lesenden gefällt mir besonders gut. Außerdem schreiben sie sich einfach schneller. Das Ergebnis ist dann auch schneller „vorzeigbar“.
Der zweite Teil dieses Beitrags ist gerade am Entstehen. Mich interessieren vor allem Eure Vorlieben und wenn Ihr Schreibende seid, wie haltet Ihr es dann – Webroman oder klassischer Roman?
Lasst gerne einen Kommentar hier oder schreibt mir an redaktion@schreibmehr.online
Ihr könnt weiter Wissenswertes, hier bei Schreibmehr erkunden z.B. auf unseren Autoren-Wissen Seiten.
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Bild von Sher Singh auf Pixabay
Ich sehe beim Webroman durchaus den Benefit der Interaktion mit den Lesenden und des schnellen Vorankommens.
Es fallen aber im Gegenzug die deutlich aufwändigeren Zyklen an Überarbeitungs- und Testleserunden weg, wie sie zur Erarbeitung eines klassischen Romans obligatorisch sind.
Das kann in meinen Augen nur auf Kosten der Qualität gehen. Daher kommt mir der Webroman konzeptionell wie literarisches Fastfood vor.
Der Begriff „Webroman“ ist mir neu, vielen Dank dafür!
Mit Plattformen wie Wattpad konnte ich noch nie etwas anfangen. Ich halte nicht viel davon, rohe Entwürfe zu veröffentlichen. Sie in einem Schreibforum zu teilen, um mit Hilfe anderer Autoren daran zu arbeiten, ist etwas anderes.
Meine blutigen Anfänge hatte ich in einem Forum, in dem ich zusammen mit anderen eine Fortschrittsgeschichte geschrieben habe, die wir „Montagsroman“ tauften. Die hatte aber mit der Struktur eines handelsüblichen Romans nicht viel zu tun. Es war eher so eine Perlenkette, ein Fragment reihte sich ans nächste und ansonsten war es völlig konfus und voller Widersprüche, die Schreibenden rissen sich um die Kontrolle über die Figuren. Spaß machte das, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man so etwas gerne liest, wenn man nicht selbst mitmischt.
Aber fällt das schon unter den Begriff „Webroman“, wenn sich die Geschichte einfach irgendwann im Nirwana verliert, weil die Beteiligten keine Lust mehr drauf haben, oder muss der dann doch mehr Hände und Füße haben?
Einfach einen Roman, den ich aus Gründen nicht mehr zu überarbeiten schaffe, häppchenweise in meinem Blog zu veröffentlichen, das kann ich mir schon vorstellen. Aber wer das dann lesen wollen würde, das ist mir schleierhaft.
Mhm – da hast Du bestimmt nicht unrecht. Tatsächlich finde ich den Webroman für die erfahrene Autor:innen vermutlich nicht das richtige Medium. Gleichwohl scheint der Markt für diese Geschichten zu boomen. Alles über Patreon’s zu finanzieren, weiß ich nicht. Doch gerade die ersten Seiten eines Romans, nennen wir es frech Manuskript, kann mir bei der ersten Veröffentlichung weiterhelfen. Anhand der entsprechenden Feedbacks, kann ich schon erkennen was ankommt und was nicht.
Ein weiterer Vorzug – anhand der Feedbacks kann ich auch erkennen, wohin die Reise gehen „könnte“, wenn ich mich darauf einlasse.
Küsst er sie oder erschießt sie ihn? Gerade die New-Romance/-Adults Genre finden, soweit ich recherchiert habe, immer mehr Anhänger und viele dieser Romane, die ein solchen Start hingelegt haben, haben nicht nur ein feste FAN-Gemeinde, sondern werden regelrecht gehypt.
Also mein persönliches Fazit – raus mit den Stories, entlassen wir sie in die Internet Freiheit. Wenn wir erfolgreich sind, ist der Weg zum gedruckten Roman gar nicht mehr weit. Darum Schreibmehr!
Vielen Dank für Deinen Kommentar @Ingo S. Anders