Beim letzten Mal habe ich euch den Text Am See gezeigt. Dieser ist im Rahmen einer Challenge bei Instagram entstanden und ich habe mich kurzerhand zweier Figuren bedient, die ich für einen Roman entwickelt hatte.
Es gibt verschiedene Methoden, um Figuren zu entwickeln. Die einen gehen das gerne bewusst an, planerisch, und andere schütteln sich das irgendwie aus dem Handgelenk. Viele bewegen sich auch in dem riesigen Graubereich dazwischen.
Werden Figuren gezielt entwickelt, um bestimmte Parameter zu erfüllen, gehört dies zum Plotten dazu.
Vor allem Rollenspielfreunde lieben es, Charakterbögen auszufüllen.
Mich könnt ihr damit jagen. 😀 Für mich ergeben sich diese Details alle im Verlauf der Geschichte, nicht schon vorher am Reißbrett.
Gia Tietz stellt eine Gratis-Vorlage zum Download zur Verfügung und erklärt, wie man sie benutzt.
Wenn du schon einmal einen Charakter durch ein Rollenspielabenteuer geführt hast, kannst du diesen natürlich auch für eine Geschichte verwenden – gerade bei High Fantasy. Aber auch für andere Genre könntest du diese Figur verwenden, wenn auch in ggf. abgewandelter Form.
Ein Ork eignet sich sicher eher weniger als Pathologe, wenn es nicht gerade Urban Fantasy ist. Auf der anderen Seite liegt es natürlich auf der Hand, warum es sich anbietet, einen Vampir im Krankenhaus arbeiten zu lassen.
Ich kenne einige, die liebend gerne Figurengespräche führen.
Wir haben sogar eine eigene Rubrik dafür im Schreib-Forum. Entweder lässt man seine Figur von den anderen Forenteilnehmern befragen oder zwei Schreibende nehmen jeweils ihre Figur und lassen sich die Figuren miteinander unterhalten, auch wenn sie völlig verschiedenen Büchern und Welten entstammen! Da kommen mitunter sehr interessante Einblicke zu Tage …
Barbara Drucker veröffentlicht Figureninterviews zu Marketingzwecken, dh ihre fertig entwickelte Figur wird interviewt. Man kann also das so entstandene Material u.U. später noch gewinnbringend einsetzen.
Wie ich selbst Figuren entwickle
Ich selbst gehe das Entwickeln meiner Figuren intuitiver und im selben Arbeitsschritt mit dem gesamten Plot an. Durch das Schreiben selbst.
Bei kurzen Geschichten habe ich oft die Figur klar vor Augen, da ich viel autobiografisch inspiriert schreibe. Wenn ich bewusst fiktional schreibe, mische ich oft die Wesenszüge verschiedener mir bekannter Personen zu einer zusammen. Manchmal nehme ich auch einfach gerade genau das Gegenteil von dem, was mir zuerst einfällt und was mir vielleicht zu klischeehaft wirkt.
Ich mache das, um einerseits die handelnde Person, die mich zu der Geschichte inspiriert hat, zu verschlüsseln, um deren Persönlichkeitsrechte zu wahren und andererseits um eben eine neue Figur zu schaffen, zu der ich trotzdem sofort eine Verbindung spüre.
Alles das passiert in meinem Kopf. Ich brauche dazu keine Notizen oder es passiert nebenbei, während ich meine Mind-Mappings bzgl. der Handlung umfangreicherer kurzer Geschichten mache.
Bei Romanen sieht es anders aus. Da entwickele ich die Handlung in mehreren Schritten und zeitgleich die wichtigsten Figuren. Nach einer Brainstorming-Phase mit verschiedenen Gesprächen mit anderen Schreibenden über die Geschichte an sich schreibe ich eine Zusammenfassung der ganzen Geschichte auf fünf Seiten aus Sicht der wichtigsten Person auf.
Die Person habe ich da entweder schon klar vor Augen, weil sie einer meiner kurzen Geschichten entstammt oder sie ist noch sehr undeutlich. In jedem Fall aber verändert sie sich während dieses Prozesses noch. Ebenso schreibe ich Zusammenfassungen aus Sicht der anderen Hauptfiguren und für die Handlung aus der Vogelperspektive noch einmal auf zwei bis fünf Seiten als Grundlage für das spätere Exposé.
Zur Schärfung des Profils lasse ich jetzt meine Figuren miteinander interagieren, schreibe also quasi blanke Dialoge. Meist mit dem Ziel, dass sie gleich auch Bestandteil des Romans werden. Dabei entdecke ich sowohl die Figuren als auch die Geschichte. Erst im Zuge der Überarbeitung fülle ich diese Szenen mit Rahmenhandlung oder entscheide, sie ganz rauszunehmen, um sie eventuell später anderweitig zu verwerten.
Dennis und Rasheeda, wie ich sie hier in Am See gezeigt habe, entsprechen bereits den Figuren, wie sie in Schwuppenplanschen (AT) sind. Pate für die beiden stand ein Paar aus einer der kurzen Geschichten aus Tobaksplitter, und zwar Peter und Amina aus „Eine ganz normale Mastekparty“.
Schreibaufgaben zum Thema Figurenentwicklung
Schaut euch unbedingt auch die Schreibaufgaben von Andreas Kapfhammer zu diesem Thema an!
Diese Artikel befassen sich explizit mit der Entwicklung von Figuren:
Viel Spaß mit euren neuen Gefährten!
Euer Ingo S. Anders

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